50+1

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Vision und Umsetzung

Unser perfekter Spieltag – Und was es zu tun gibt

Es ist Heimspiel. Du triffst

dich früh mit anderen Fans. Es geht zum Stadion. Zuerst mit deiner Clique. Dann werden es immer mehr. Bekannte und Unbekannte. Alle durch den Fußball und die gemeinsame Liebe zum Verein geeint.

Vorfreude auf das Spiel. Das Gefühl ein Teil des Ganzen zu sein und seinen Beitrag dazu zu leisten, mischt sich mit sportlichen Gedanken: Bleiben die Punkte zu Hause? Diskussionen über lang vergangene Spiele, Fußballweisheiten und die aktuelle Situation branden auf.

An der Kasse gibt es noch Karten ohne großartige Aufschläge. Jeder kann sich den Eintritt leisten. Dauerkarteninhaber*innen neben Fußballneulingen – sitzen oder stehen, ob mit oder ohne Handicap, egal, welches Geschlecht.

Gut geschultes, freundliches Ordnungspersonal empfängt dich am Eingang. Die Ordner*innen wissen um die Bedeutung von Fanutensilien und winken diese problemlos durch. Jede*r ist frei, seine Fahnen, Doppelhalter, Banner, Trommeln und andere Materialien zur Unterstützung des Vereins mit hinein zu nehmen.

Im Stadion angekommen brandet das wohl bekannte Gefühl auf angekommen zu sein. An deinem Platz die bekannten Gesichter – auf den Sieg, Leute.

Problemlos und zu angemessenen Preisen ist es möglich sich mit den gewünschten Dingen einzudecken: Ein kühles Bier oder einen heißen Tee, etwas zu Essen und das frisch gedruckte Fanzine, das an einem Stand angeboten wird. Man bewegt sich frei durch das Stadion und kann so auch mal bei Freund*innen vorbeischauen, die an anderen Orten im Stadion stehen.

Der Gästeblock ist gut gefüllt. Sehr schön – mal sehen, ob die mithalten können. Dank des fanfreundlichen Samstags und einer langfristigen Terminierung haben sich viele Gästefans auf den Weg gemacht – spontan Entschlossenen stand eine Tageskasse zur Verfügung. Genau so wie den Heimfans, stand es ihnen frei so anzureisen, wie sie wollten: Egal ob mit anschließendem Aufenthalt in der Stadt oder unmittelbarer Abreise nach dem Spiel.

Egal, wie erfolgreich ihre Mannschaft ist, die Eintrittspreise bleiben gleich und sind erschwinglich. Sie werden als Gäste willkommen geheißen, auch wenn sie während der 90 Minuten sportlich Gegner sind: Die Zaunfahnen zeigen, dass alle Gruppen, die zu erwarten waren, auch angekommen sind – alle Fans werden als wichtiger Teil des Spiels und nicht als Sicherheitsrisiko wahrgenommen.

Die Aufregung und Vorfreude steigt. Die Mannschaften laufen ein – die von den Fans und Mitgliedern beschlossene Hymne erklingt. Schon mit dem Ende werden tausende Stimmen zu einer und feuern lautstark ihre Mannschaft an. Fahnen wehen, Gesänge hallen durch das Stadion, für 90 Minuten verliert alles andere an Bedeutung, nur das Spiel zählt.

Der perfekte Spieltag geht nur mit perfekten Rahmenbedingungen. Diese würden für uns so aussehen:

Alle Vereine und die Verbände sind am Spieltag und außerhalb des Spieltags für Fananliegen offen. Fankultur wird als elementarer Teil des Fußball betrachtet.

Fanvertreter*innen und Vereinsvertreter*innen treffen sich regelmäßig. Es gibt verschiedene, gemeinsam erarbeitete und regelmäßige Foren, um die teils sehr konträren Bedürfnisse auszudiskutieren und nach angemessenen Lösungen zu suchen. Unterschiede können ausgehalten werden. Gemeinsamkeiten halten uns zusammen.

Das Verständnis füreinander ist durch gemeinsame Aktionen gewachsen. Zum Beispiel durch ein übergreifend erarbeitetes Leitbild des Vereins, das vergangene Vereinsfest oder eine starke Positionierung für 50+1 war. Über die Zeit wurde eine vertrauensvolle und tragfähige Beziehung unter den Akteur*innen gestaltet.

Faninteressen werden nicht nur lokal, sondern auch bundesweit verbindlich berücksichtigt: Gestärkt durch die eigenen Vereine werden aktive Fans gehört und kommunikativ eingebunden. Fankultur wird nicht als Randthema, sondern als zentraler Aspekt des deutschen Fußballs berücksichtigt. Mitgestaltungsmöglichkeiten sind garantiert und Informationen werden schnell und unkompliziert übermittelt.

Die Zukunft des Fußballs wird nicht hinter verschlossenen Türen, sondern offen und transparent zwischen allen Akteur*innen verhandelt.

Die Realität sieht anders aus. Es gibt noch viel zu tun!

Seit Jahren sehen wir die Fankultur von mehreren Seiten angegriffen und stark gefährdet.

Verbände und zum Teil auch Vereine haben sich mehr und mehr von der Basis der Fans im Stadion und den Mitgliedern entfernt.

Stetig zunehmende Kommerzialisierung und Repressionen erschweren das Ausleben der Fankultur zusehends.

Statt der Meinung der Fans, zählen oftmals die Forderungen von Investoren oder einzelnen Funktionären bei großen und kleinen Entscheidungen.

Auch die Vorgaben der Verbände und Behörden, die Fanrechte mehr und mehr einschränken, verhindern – z. B. durch Einschränkungen der freien Anreise bei Auswärtsspielen – die freie Entfaltung der Fanszenen.

Repressionen von Verbänden, Behörden und den Vereinen selbst begleiten uns seit Jahren und verschärfen die bestehenden Konflikte.

Der Fußball verkommt mehr und mehr zu einer kapitalistischen Ware: Die Vermarktung dieser Ware steht in den meisten Fällen nach wie vor über den Interessen der Fußballfans in den Stadien.

So gibt es z. B. in der 2. und 3. Liga vier verschiedene Anstoßzeiten, in der 1. Liga sogar bis zu sechs. Dazu kommen noch englische Wochen, Spiele in den unterschiedlichsten europäischen Wettbewerben, sowie Pokalspiele und Relegationsspiele. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein Spiel stattfindet. Stadionbesuche, besonders bei Auswärtsspielen, werden durch die schwierige Planbarkeit zusätzlich erschwert.

Fußball findet im Stadion statt!

Ein Fußballspiel darf nicht nur auf die Wünsche der Fernsehzuschauer*innen zugeschnitten sein. Was wäre ein Fußballspiel ohne die gelebte Fankultur, ohne Emotionen, ohne Jubel, Gesänge, Fahnen und Choreographien?

Als Unsere Kurve stehen wir für den Erhalt von Fankultur – immer orientiert an unseren Idealen, aber auch bereit, positive Veränderungen Schritt für Schritt zu erreichen.

Deshalb stellt sich „Unsere Kurve“ mit ihren angeschlossenen Fanorganisationen gegen diese Entwicklungen und versuchen im Kleinen in ihren eigenen Vereinen, aber auch in größeren Kontexten im Dialog mit den Verbänden die Sicht der Fußballfans und ihre Wünsche und Bedürfnisse zu vertreten.

So gab es in der letzten Zeit auch Entwicklungen, die uns positiv stimmen. Sehr viele Vertreter des Profifußballs haben sich für die Erhaltung der 50+1 Regel ausgesprochen, die Montagsspiele in der 1. Liga und wahrscheinlich auch in der 2. Liga werden wieder abgeschafft, eine neue Regionalligareform macht vielleicht einen ersten Schritt zu einer wirklichen Aufstiegsregelung.

Diesen Positivtrend wollen wir weiter unterstützen. Wir setzen uns deshalb besonders für fanfreundliche Anstoßzeiten, bezahlbare Eintrittskarten, die Freigabe von Fanutensilien und die Stärkung von Fan-Beteiligung ein.

Spieltagsansetzungen des DFB und der DFL müssen früher feststehen, Wünsche der Vereine – in denen sich Anliegen der lokalen Fanszenen wiederfinden können – müssen besser berücksichtigt werden. Wir stehen für Fußballspiele am Wochenende, damit Fans die Möglichkeit haben ihre Mannschaft auch auswärts zu begleiten. In den Profiligen sollte der Samstag der Regelspieltag sein, denn der Sonntag gehört den Amateuren.

Die 50+1 Regel ist die zu bewahrende Basis für einen Fußball für Alle und für Möglichkeiten der Mitbestimmung und muss fortgeschrieben werden.

Fans müssen als Teil des Fußballs und nicht als Sicherheitsrisiko wahrgenommen werden. Neben dem Fußballspiel bietet das Stadion auch einen Begegnungsraum, der von unterschiedlichsten Fans geprägt wird und in dem Raum für alle sein muss, die den Fußball lieben – deswegen stehen wir selbstverständlich gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung ein.

Egal, ob Steh- oder Sitzplatz, ob Fanclub oder Ultragruppe, ob aktiver Fan oder Gelegenheitsbesuchende. Wir arbeiten mit allen zusammen, die hierfür einstehen und unsere Werte teilen. Denn nur gemeinsam – also in Zusammenarbeit mit allen, die für einen Fußball im Sinne der Fans stehen – können wir den Erhalt dieser einzigartigen Fankultur erreichen. 

Fußball als Kulturgut

Fußball ist für uns ein Kulturgut. Es gilt, dieses Kulturgut zu bewahren. Wir stellen uns deutlich gegen einen Ausverkauf des Fußballs. Fans und Vereine sind das Herzstück des Fußballs und müssen es bleiben! Deshalb stehen wir u. a. für

  • die Stärkung von Mitbestimmungsrechten von Fans und Mitgliedern.
  • den Erhalt und Ausbau der 50+1-Regel.
  • Transparenz über Abstimmungen in Vereinen und Verbänden.
  • eine gelungene Umsetzung von financial fair play in den deutschen Ligen.
  • Chancengleichheit im Wettbewerb, notwendige Reglementierungen und eine gerechtere Verteilung von Fernsehgeldern.
  • eine Reglementierung des Transfermarkts, z. B. durch die Einführung von Gehaltsobergrenzen.
  • gemeinsame Aushandlungen des Spannungsfelds Fußball und Fankultur: Individuelle Interessen, Gruppen- und Mehrheitsinteressen müssen im Dialog aller gemeinsam ausgehandelt werden. Fan-Interessenvertretungen darf nicht mit dem Scheinargument der “schweigenden Masse” begegnet werden, organisierte Fans vertreten legitimierte Meinungen.
  • die Etablierung und stetige Fortentwicklung tragfähiger und nachhaltiger lokaler und bundesweiter Dialoge zwischen Fans, Vereinen und Verbänden.
  • die Prämisse, Miteinander statt übereinander zu reden und durch Perspektivwechsel zu einem besseren Verständnis füreinander beizutragen.
  • einen Fußball, der sich am Stadionerlebnis sowie Stadionbesucher*innen orientiert und ausrichtet. Maßnahmen wie den VAR sehen wir deshalb äußerst kritisch.
  • einen Fußball, der die Bedeutung von Fans niemals von ihrer Kaufkraft abhängig macht.
  • die flächendeckende Freigabe von Fanutensilien gemäß der Anlage 9 der Sicherheitsrichtlinien des DFB (Verlinkung) in allen Ligen (und gerne darüber hinaus).

Rechte von Fußballfans

Die Rechte von Fußballfans müssen gestärkt werden. Denn dies bildet die Grundlage für Fankultur, wie wir sie lieben. Die Rechte von Fußballfans werden regelmäßig angegriffen, teils ausgehöhlt. Wir wollen das ändern und stehen u. a. für:

  • einen übergreifenden Paradigmenwechsel: Prävention und Kommunikation müssen immer an erster Stelle stehen, nie Repression.
  • eine positive Wahrnehmung von Fankultur. Fans sind kein Sicherheitsproblem! Hier sind auch Medien aufgefordert, Fankultur in all ihren Facetten abzubilden und den positiven Aspekte mindestens gleichermaßen Beachtung wie vermeintlichen Eklats zu schenken.
  • die Wahrung von Grundrechten für alle Menschen und damit auch für Fußballfans. Fußballfans müssen Grundrechte wie Meinungsfreiheit und Reisefreiheit genauso wie allen anderen Menschen garantiert werden. Kollektivstrafen sind mit Rechtsstaatlichkeit nicht vereinbar, ebenso wenig wie Betretungsverbote im Gießkannenprinzip oder die Speicherung von Fußballfans in intransparenten Dateien ohne Information, Rechtsbehelfsbelehrung und angemessenen Löschungsfristen.
  • eine klare Trennung von Strafen und sog. präventiven Maßnahmen: Stadionverbote sind nach den Richtlinien keine Strafe und dürfen deshalb auch nicht so angewendet werden.
  • eine Reform der Sportgerichtsbarkeit im Bereich Zuschauer*innen.
  • die Weiterentwicklung und Stärkung professioneller Fanarbeit zur Unterstützung positiver Fankultur, Fans in (von außen herbei geführten) Krisensituationen und die Prüfung von Möglichkeiten der Rechtsberatung.
  • die Anerkennung aller Stilmittel von Fankultur. Hierzu gehört auch Pyrotechnik. Verhandlungen über Möglichkeiten der Legalisierung von Pyrotechnik müssen wieder aufgenommen werden.

Fußball & Gesellschaft

Fußball ist ist für uns ein Teil der Gesellschaft. Das bedeutet: Der Fußball kann und darf sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung nicht entziehen. Deshalb setzen wir uns für die Übernahme gesellschaftlicher und sozialer Verantwortung ein. Wir stehen u. a. für:

  • Fußball als Begegnungsort aller Menschen.
  • ein respektvolles und faires Miteinander im und um den Fußball.
  • freie Meinungsäußerung und kritische Auseinandersetzungen mit und um den Fußball.
  • für sozialverträgliche Eintrittspreise in allen Segmenten.
  • nachhaltige und langfristige Strategien gegen Diskriminierung und Ausgrenzung – Fußball ist für alle da!.
  • Barrierefreiheit für alle Zuschauer*innen, z. B. für ältere Fans und Fans mit Handicap.
  • strukturell verankerte Leitlinien und die Entwicklung entsprechender Auflagen zur Wahrung von Menschenrechten. Kooperationen, Sponsoring-Verträge o. ä. mit Unternehmen, Institutionen oder Staaten, die Menschenrechte nicht achten, dürfen nicht abgeschlossen werden.
  • den  Erhalt eines sportlich fairen und integren Wettbewerbs.
  • umweltbewusstes, nachhaltiges, soziales und ressourcenschonenden Handeln. Zum Beispiel bei der Produktion von Fanartikeln, aber auch in der Verwaltung in Vereinen.
  • die  Offenlegung von Produktionsketten.
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