Chinas U20 in der Regionalliga Südwest – Ein Paradebeispiel für die Abläufe im DFB

 

Die Nachricht ist kurz und wird vom DFB mit hoffnungsfrohem Duktus verbreitet. Eine Kooperation mit dem chinesischen Fußballverband soll zum Auftritt der chinesischen U20 in der Südweststaffel der Regionalliga führen. Alle Vereine hätten bereits zugestimmt. Es gibt Geld.

Das Vorgehen ist so gewohnt und in den gängigen Mustern, dass scheinbar allein das Wort China für Aufregung sorgen kann.

Aufzuregen gibt es aber gleich Mehreres:

Natürlich wird das Team in der „Championsleague der Amateure“ (Koch, DFB) starten. Mit derartigen zusätzlichen Pflichtspielen in einem vollgestopften Kalender würde der DFB weder die DFL, noch die Profis in der 3. Liga belästigen. Im Gegenteil: die Fernostvermarkter der Bundesliga dürften die wahren Profiteure der Vereinbarung sein.

In der Regionalliga wird es den chronisch klammen Clubs als 15.000,- € teure Wurststulle vor die Nase gehalten. Sportliche Gründe, die Auswirkungen auf den Ligenbetrieb mit dann 20 Mannschaften sind nachrangig. Lizensierungsverfahren, Anforderungen an Spielstätten etc. – keine Rede.

Hier kann man anscheinend locker mal eine Mannschaft mehr unterbringen. In Bezug auf die herrschende Aufstiegsregelung aus Liga 4, bei der der Meister nicht automatisch aufsteigt, ein Hohn. Mehr Plätze in Liga 3 sind natürlich illusorisch. Passt prima ins Konzept der Abschottung des Profibereichs.

Das Ganze wird – DFB typisch – hinter verschlossenen Türen vorverhandelt, als ob man auf dem Jahrmarkt wäre. Erinnert ein bisschen an den Einstieg von Red Bull damals in Sachsen. Auf Verbandsebene dürfen die Funktionäre noch „bahnbrechende“ Entscheidungen treffen.

Und letztlich ungefragt – wie immer – die Fans. Auf den Tribünen der Traditionsvereine Mannheim, Offenbach, Saarbrücken muss es doch nur so kochen, wenn man erfährt, dass Mannschaften ohne Fans sich in die Liga einkaufen können und augenscheinlich der eigene Vorstand dieses nicht für diskussionswürdig hielt. Nicht, dass es so neu wäre, dass der DFB Fankultur nur unter Marketing verbucht. Das man aber jetzt noch zur Kulisse eines Kunstgriffs ohne Stadion werden soll, schlägt dem Fass den Boden aus.

Auch, wenn man den Blödsinn vielleicht mit Humor nehmen muss, wie es Rot-Weiss Essen am Tag der Nachricht getan hat – über die Eitelkeit und abgehobene Sicht des DFB auf den Sport, den wir lieben, kann keiner lachen.