Transparent für bunte Fankurven

Am besten alle wegsperren

In einem Interview, was unter anderem von Reviersport veröffentlicht wurde (siehe hier) wird vom Geschäftsführer der DFL, Christian Seifert, mal wieder die ganz große Moralkeule ausgepackt. Aufgrund von Schmähgesängen und Transparenten beim Spiel des 1. FC Köln gegen die TSG Hoffenheim, über deren Inhalt man durchaus geteilter Meinung sein kann, Pyrotechnik beim Spiel des HSV gegen Damstadt 98 und ebenfalls einem recht merkwürdigem Banner beim Spiel der Eintracht Frankfurt gegen den FC Augsburg wird seitens des DFB Sportgerichts mal wieder ermittelt.

Laut Reviersport ist mit der Sperrung von Tribünen zu rechnen.

Laut Seifert sind die Ultras die „Totengräber der Fankultur um die es ihnen angeblich geht“. Seifert sieht das Problem im mangelhaften Handlungsspielraum der Klubs und der Polizei. So sagt er „Eine Besserung ist schwer zu erreichen, wenn in Madrid Täter für vier Monate ins Gefängnis gehen, aber bei uns in Deutschland Busse mit Schlagstöcken, Schlagringen und brennbaren Materialien aufgehalten werden, und dann werden nur die Personalien aufgenommen und die Leute nach Hause geschickt.“.

Nun Herr Seifert, in Deutschland werden die Personalien aufgenommen und dann wird ein Verfahren gegen die Personen eingeleitet. Ob diese Verfahren am Ende dann auch zu Verurteilungen führen, das liegt bei den Richtern die über diese Verfahren zu befinden haben. Wenn Ihnen, sehr geehrter Herr Seifert, das nicht gefällt wäre es wohl sinnvoller, sich mit anderen Staatsformen auseinanderzusetzen, die nicht diese Gewaltenteilung besitzen. Zum Glück darf die Polizei nicht einfach jemanden für vier Monate ins Gefängnis sperren. Zum Glück werden, in der Regel, die juristischen Prinzipien eingehalten. Die „Klubs“ sperren diese Personen ja sowieso schon, aufgrund der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens oder alleine wegen der Aufnahme der Personalien, für Jahre aus den Stadien dieser Republik aus. Und Sie, Herr Seifert, wundern sich darüber? Haben keine Idee, denken aber, dass man diese Personen mit Prävention nicht mehr erreichen kann? Schon mal darüber nachgedacht, Herr Seifert, dass solche Personen nicht als „radikal“ geboren wurden? Wenn das Kind im Brunnen liegt, ist ihm meist nicht mehr zu helfen. Auf dem Weg zum Brunnen jedoch schon. Wenn die Abschaffung von Stehplätzen zu „Solidarisierungseffekten“ führt, Herr Seifert, was glauben Sie passiert bei einer Block- bzw. Kurvensperre?

Wollen Sie die Spaltung der Fanszenen weiter vorantreiben auf das am Ende nur noch „Klatschvolk“ im Stadion ist? Dann aber bitte nicht beschweren, wenn die Stimmung nicht mehr so ist, dass man mit ihr hohe Einnahmen in die Kasse spült. Ach ja, dann sind Sie vermutlich ja nicht mehr Geschäftsführer der DFL sondern haben einen lukrativen Posten in einer der tollen und so transparenten Organisationen im Sportbusiness.

Aber von uns verlangen Sie, dass wir uns an einem Tisch über Prävention unterhalten. Komische Ansichten sind das.

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