Zusammenstehen muss das Motto der Stunde sein. Auch im Fußball.

Der Profifußball in Deutschland steht vor einer enormen Herausforderung. Die Unterbrechung des Spielbetriebes und die dynamische gesamtgesellschaftliche Lage stellt alle Vereine vor große Schwierigkeiten. Einnahmenverluste sorgen für eine angespannte wirtschaftliche Situation. Die Clubs müssen sich mit verschiedenen Worst-Case-Szenarien beschäftigen. Für einige Vereine geht es schlicht um ihre Existenz. Es ist mehr denn je unklar, ob und in welcher Höhe einkalkulierte Einnahmen wie TV-Erlöse, Sponsoring- und Ticketing-Erträge wegbrechen. Abhängig von der Dauer der Spielpause müssen sich immer mehr Vereine mit existentiellen Fragen auseinandersetzen.

Wir lieben den Fußball. Und wir wollen ihn erhalten.

Natürlich wollen wir den Fußball auch verändern. Wir plädieren seit Jahren für nachhaltiges Wirtschaften in Vereinen und eine gerechtere Verteilung von Fernsehgeldern. Wir machen uns stark für einen Fußball, der an Fans und Vereinen und nicht an der Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Aber jetzt ist nicht die Zeit, die grundlegenden Forderungen in den Vordergrund zu stellen. Wir müssen vielmehr gemeinsam kreative Ideen und tragfähige Lösungen entwickeln, damit die Vereine überleben können. Denn nur in diesem Fall haben wir Adressaten, mit denen wir zu einem späteren Zeitpunkt unsere Forderungen diskutieren können. Wir sind uns sicher, viele Unterstützer*innen, auch innerhalb der Vereine, für unsere Anliegen zu finden. Wenn die Vereine diese Krise erfolgreich bewältigen.

Wir treten populistischen Forderungen entschieden entgegen.

Darauf wollen wir ausdrücklich hinweisen. Wir wissen, dass Entscheidungen von heute schon morgen überholt sein können. Wir warnen vor Schnellschüssen, die Vereine in ein Zwangskorsett pressen und langfristig in die Handlungsunfähigkeit treiben. Wir erinnern an Fehler, die in anderen Krisensituationen im Fußball gemacht worden sind. Jetzt setzen wir alle Hoffnung darauf, dass sich diese falschen Entscheidungen nicht wiederholen. Wir mahnen Weitsicht an und sprechen uns für langfristige Lösungen mit Hand und Fuß aus. Kurzfristige Schnellschussreaktionen lehnen wir ab. Gemeinsam geschaffene Grundlagen wie zum Beispiel die 50+1-Regel, erweisen sich in der Krise als gewinnbringend, nicht umgekehrt.

Die erfolgreiche Bewältigung dieser Herausforderung kann nur gemeinsam gelingen.

Dafür sind durchdachte und langfristige Lösungen notwendig. Vereine, Verbände, Fans, Spieler, Berater, TV-Anstalten, Sponsoren und alle weiteren am Fußball beteiligten Akteure sind aufgefordert, ihren Beitrag zu leisten. Dazu zählen monetäre Beiträge von denen, die sich einen Verzicht unproblematisch leisten können und bisher auf der Seite der Gewinner standen. Unterstützt werden die Lösungen von ideellen Beiträgen derjenigen, denen das nicht möglich ist. Hinzu kommt ein Entgegenkommen derer, die in Vertragsverhältnissen stehen und vom Fußball profitiert haben, nach wie vor profitieren und auch zukünftig profitieren wollen. Notwendig ist aber auch das Wohlwollen von jenen, die bei der aktuellen Dynamik in unserem Land die Rahmenbedingungen für den Fußballsport setzen. Sie müssen die Bereitschaft für eine größtmögliche Transparenz aller Beteiligten mitbringen.

Zur gemeinsamen Bewältigung der anstehenden Aufgaben müssen Fans mit Informationen versorgt werden. Gerade in dieser krisenreichen Zeit sind die Verbände und Vereine angehalten, Mitgliedern und Fans entsprechende Beteiligungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Auch hier sind kreative Formate gefragt, wie sie gerade überall erprobt werden. Da aufgrund behördlicher Vorgaben persönliche Kontakte und Besprechungen nicht möglich sind, stellen moderne Online-Plattformen eine angemessene Alternative für die Kommunikation dar. Wir setzen uns auf bundesweiter und auf lokaler Ebene für solche Informations- und Beteiligungsformate mit Fans ein. Die Einbeziehung aller bundesweiten Fanorganisationen in einen solchen Prozess muss das gemeinsame Ziel sein.

Zusammenstehen muss das Motto der Stunde sein. Auch im Fußball.

Zusammenstehen ist für Fußballfans nicht neu. Wir wissen aus jahrelanger Erfahrung, dass wir nur gemeinsam unsere Ziele erreichen können. Durch solidarisches Handeln haben Fanszenen bereits in der Vergangenheit in die Gesellschaft gewirkt. Das stellen sie in der aktuellen Situation erneut durch zivilgesellschaftliche Initiativen eindrucksvoll unter Beweis.

Auch Vereine haben sich in der Vergangenheit durch soziale Projekte für die Gesellschaft engagiert. Dieses Engagement ist weiterhin nur dann möglich, wenn Vereine finanziell gesund sind. Sicherlich ist die Balance zwischen Gemeinnützigkeit und Gewinnorientierung in den letzten Jahren deutlich ins Wanken geraten. Das darf aber kein Grund sein, den Fußball insgesamt zu verteufeln.

Im und am Fußball hängen direkt und indirekt viele Arbeitsplätze. Die meisten Beschäftigten sind von den unfassbaren Summen weit entfernt, die Spieler, Manager und Trainer in Top-Vereinen verdienen. Fußballvereinen kommt besonders in strukturschwachen Regionen eine besondere Bedeutung zu. Ein Teil des Geschäfts wird durch Steuerabgaben in die Gesellschaft zurückgespielt. Fußballvereine leisten außerdem wertvolle Nachwuchsarbeit.

Für uns das Wichtigste: Der Fußball ermöglicht, dass sich Menschen miteinander verbinden.

Der Fußballsport schafft es, dass wir den Alltag jede Woche bei Heim- und Auswärtsspielen vergessen können. Er macht die Nebensache für ein paar Stunden zur Hauptsache. Er sorgt aber auch dafür, dass der Videoschiedsrichter für einen Moment unser größtes Problem im Leben darstellt. Wir können schreien und springen. Wir haben das Gefühl, ein Teil des Ganzen zu sein. Wir trauern zusammen und liegen uns vor Freude mit wildfremden Menschen in den Armen. Für uns ist das eine berührende Vorstellung, der wir uns hoffentlich bald wieder emotional hingeben können.

Das wollen wir erhalten. Für uns und für den Fußball.

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