Das Chinasyndrom

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Ein Kommentar zur Regionalligareform

Der DFB bleibt seiner Linie treu. Entscheidungen sollen möglichst wenig mit dem Sport zu tun haben, als dessen oberster Verband er gesehen werden möchte. Der heißt – zur Erinnerung – Fußball.

Schon beim allseits beliebten Thema der chinesischen U20 und deren Teilnahme an der Regionalliga Südwest glänzte der DFB mit schlechter Vorbereitung, amateurhafter Durchführung und größtmöglicher Sportferne. Die gesamte Argumentation hatte mit dem Fußball in den Vereinen soviel zu tun, wie der berühmte Sack Reis.

Nach den vielbeachteten öffentlichen Erfolgen dieser Vorgehensweise, hat sich jetzt eine gesamte Verbandsversammlung begeistert diesem Weg verschrieben.

Mit heißester Nadel wurde eine Entscheidung gestrickt, die, je tiefer man schaut, weniger mit Fußball zu tun hat. Natürlich sind hier sehr viele unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen. Aber die von Eigenlob überschüttete Lösung orientiert sich leider nur am verbandspolitischen Deal.

Meister müssen aufsteigen war die nicht einfache, aber klare Aufgabe. Man sei diesem Ziel näher gekommen, rühmt man sich nun in der Öffentlichkeit. Dass es sich dabei nur um einen statistischen Wert handelt, der ohne jedes sportliche Kriterium ist, wird zur allgemeinen Heiterkeit vergessen. Der Reihe nach:

Den ersten und einzigen festen Aufstiegsplatz bekommt die Regionalliga Südwest. Das ist schon schwer zu begründen, aber sei’s drum. Komisch, dass der hervorgehobene Grund allein der Deal ist, dass die Liga ihren ebenfalls umstrittenen 2. Relegationsplatz abgegeben hat. Der Basar lässt grüßen.

Aber das ist ja nur der Anfang. Den zweiten – für die kommende Saison bereits jetzt garantierten – Aufstiegsplatz bekommt die Nordost Liga. WTF? Ein Schelm, wer da denkt, dass da jemand beruhigt werden soll, der vor zwei Tagen noch kurz davor war, den DFB zu verklagen.

Doch die mit visionärer Kraft getroffene Veränderung folgt erst: der dritte feste Aufstiegsplatz wird in den kommenden Spielzeiten verlost. Spannung pur und im TV für das ganz große Format geeignet! Nachdem der Verband Nordost noch beim Stripppoker All In gehen konnte, müssen die anderen Ligen zukünftig abwarten, ob man beim Flaschendrehen die Nase vorne hat. Es wird noch überlegt, ob man die Ligen im Schnick, Schnack, Schnuck über drei Runden antreten lässt, um die Sache gerechter zu gestalten.

Viertens: was mit den Verlieren dieser wahrhaft kreativen Idee passiert, ist leider noch nicht besprochen. In die Relegation müssen diese auf jeden Fall. Wann die in den entsprechenden Ligen antretenden Vereine mitgeteilt bekommen, wer der Glückliche ist, konnte noch nicht geklärt werden. Solche Kleinigkeiten werden sich schon finden. Man kann nicht an alles denken, wenn man voranschreitet in die goldene Zukunft der „Championsleague der Amateure“

Der Verband Niederrhein hat seine Zustimmung übrigens auch gegeben, was im Westen durchaus zu Irritationen führt. Wurde er doch mit dem Vorsitz der Expertenkommission belohnt, die in Ruhe eine Lösung , der Lösung, der Lösung suchen soll. Immerhin hat es der Verbandstag nach der letzten Regionalligareform schon zum zweiten Mal geschafft, mehr Probleme aufzutürmen, als zu lösen.

Wann die fallenden Würfel im DFB Logo eingebunden werden, ist noch unklar. Die Grafiker haben noch ein Problem das Motiv mit der chinesischen Flagge zu kombinieren.

Wir freuen uns schon.