Gästeblock ohne Fans im Stadion

Quo vadis, Fußball?

Seit gut zwei Wochen rollt der Ball wieder. Doch seine Fans haben nicht nur aus Gründen des Gesundheitsschutzes Abstand von ihm genommen. Abstand von einem Fußball, der immer nur höher, schneller und weiter wollte und dabei schon lange vor Corona vergessen hatte, wo seine Wurzeln liegen. Abstand von Gewinnmaximierungen und Unsummen, die im Fußballgeschäft verpuffen und Einzelnen zu Gute kommen. Abstand von einem Fußball, der vergessen hat, worin seine Einzigartigkeit liegt: in seinen Fans und Mitgliedern, die ihn tragen.
Reformprozesse müssen jetzt eingeleitet werden
Bereits vor der Zwangspause lagen etliche Hinweise zu notwendigen Reformbedarfen vor. Diese wurden jetzt von der Fan-Basis erneuert und spezifiziert. Hatten sich während der Unterbrechung der Saison noch zahlreiche Funktionäre und Verantwortliche im Fußball selbstkritisch geäußert und Reformen angekündigt, so ist es seit der Fortsetzung ruhig um notwendige Veränderungen im Fußball geworden.
Wir haben deutlich gemacht: Wir leisten Erste Hilfe, wenn Ihr bereit seid, den Weg zur Gesundung des Fußballs zu gehen. Wir haben unseren Beitrag geleistet. Jetzt seid Ihr dran, liebe Vereine und Verbände! Wir fordern Euch auf, die Reformen im Profifußball jetzt anzugehen. Ein “Weiter so!” werden wir nicht akzeptieren.
Für einen Fußball, der sich eindeutige Leitplanken setzt!
  1. Vereine müssen (wieder) die Basis des Profifußballs bilden. Erst sie ermöglichen Identifikation, sind grundlegend für die Teilhabe der Menschen am Fußball und wirken in die Gesellschaft.
  2. Wirtschaftliche Nachhaltigkeit muss zur Selbstverständlichkeit werden. Finanzpläne müssen langfristig angelegt sein. Sie dürfen sich nicht am kurzfristigen, vermeintlichen sportlichen Erfolg ausrichten. Deshalb braucht es Rahmenbedingungen, die ein finanzielles Wettrüsten unterbinden und zur Bildung von Rücklagen führen.
  3. Der Fußball muss sich selbst einen ethischen Rahmen geben. Werte und Normen – etwa zu Menschenrechten, gegen Korruption oder zu ökologischen Kriterien – müssen in allen Bereichen des Fußballs verbindlich die Handlungen leiten.
  4. Verbände und Vereine müssen Maßnahmen zur Erhöhung der Chancengleichheit ergreifen. Dies gilt für sportliche und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Dabei ist der Fußball herausgefordert, sich dringend auf ein gemeinsames Verständnis von Solidarität über die Grenzen der Ligen hinaus zu einigen und dieses zu leben.
Notwendige Rahmenbedingungen und Schritte für einen erfolgreichen Reformprozess

 

Prozesse zu einer Verständigung über diese Leitplanken und die Erarbeitung detaillierter Inhalte und Konzepte müssen jetzt beginnen. Es gilt, bestehende Ansätze zu diskutieren, neue zu entwerfen und mehrheitsfähige Konzepte zu erarbeiten. Für einen gemeinsamen, übergreifenden und tragfähigen Reformprozess müssen aus unserer Sicht insbesondere die folgenden Aspekte zwingend zu
Rahmenbedingungen werden:

 

  • Die notwendigen Reformprozesse müssen von denen angeführt werden, die diese Vorstellungen eines neuen Fußballs teilen und nicht von denen, die sie mit aller Kraft verhindern wollen.
  • Fans und Mitglieder müssen zwingend – lokal und bundesweit – beteiligt werden.
  • Es bedarf einer kontinuierlichen und transparenten Information über den Reformprozess. Tragfähige Reformen können und dürfen nicht in Hinterzimmern entstehen.
  • Vereine müssen jetzt in Vorarbeit gehen, um zielgerichtet und effektiv Konzepte in die bundesweite DFL-Taskforce “Zukunft Profifußball” einbringen zu können. Sie sind aufgefordert, jetzt – unter Einbindung von Fans und unabhängigen Expert*innen – lokale Prozesse zu initiieren und durchzuführen.
  • Bei allen Überlegungen muss der Fußball in seiner Gesamtheit – also auch unterhalb der Bundesligen sowie auf europäischer Ebene – berücksichtigt werden.

 

Wir werden die Zwangspause weiterhin dazu nutzen, eine positive Veränderung des Systems Fußball voranzutreiben – innerhalb unserer Organisation und in Zusammenarbeit mit anderen Fan-Organisationen, in der Öffentlichkeit und in bestehenden Gremien mit Vereinen und Verbänden.

 

Wir werden nicht Ruhe geben, bevor wir den Worten endlich Taten folgen sehen. Denn wir brauchen einen neuen Fußball. Und zwar jetzt.

 

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