In den kommenden Tagen findet die Innenministerkonferenz (IMK) der Länder in Hamburg statt. In der Vergangenheit führte dieses Format bereits im Vorfeld zu hitzigen Debatten. Vorangegangen waren diesen populistische Forderungen aus den Innenminsterien – wie der Ruf nach personalisierten Eintrittskarten oder KI-gestützer Videoüberwachung in den Stadien. Dieses hat zurecht für öffentliche Diskussionen und Proteste gesorgt. Auch bei der nun anberaumten IMK stehen die Rechte der Fußballfans erneut auf der Tagesordnung. Über die Inhalte ist allerdings nicht viel bekannt geworden.
Angesichts dessen können wir zu konkreten Inhalten keine Stellung nehmen. Dennoch möchten wir an dieser Stelle unsere Erwartungen nochmals formulieren. Dazu gehört unter Anderem ein Bekenntnis der IMK gegen pauschale Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen. Die Abkehr von Maßnahmen wie personalisierte Tickets flächendeckende Ausweiskontrollen, automatisierte Gesichtserkennung oder KI-gestützte Überwachung muss dauerhaft Bestand haben – und ist ein wichtiges Signal für die Wahrung von Grundrechten.
Die IMK hat in ihrem Beschluss vom Dezember 2025 festgestellt, dass die gelebte Fankultur ein wesentlicher Bestandteil des Fußballs in Deutschland ist. Diese Feststellung begrüßen wir ausdrücklich. Woche für Woche besuchen hunderttausende Menschen friedlich die Stadien, organisieren Choreografien, begleiten ihre Mannschaften durch das ganze Land und tragen entscheidend zur einzigartigen Fußballkultur in Deutschland bei.
Genauso klar ist: Gewalt, Übergriffe und organisierte Auseinandersetzungen haben im Fußball keinen Platz. Wer Straftaten begeht oder andere Menschen gefährdet, muss mit rechtsstaatlichen Mitteln zur Verantwortung gezogen werden. Die Bekämpfung solcher Taten darf jedoch nicht dazu führen, dass mehrheitlich friedliche Fans unter Generalverdacht geraten.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den beschlossenen Veränderungen bei Stadionverbotsverfahren. Stadionverbote greifen tief in die Rechte der Betroffenen ein. Deshalb müssen Transparenz, Nachvollziehbarkeit, rechtliches Gehör und wirksame Kontrollmöglichkeiten uneingeschränkt gewährleistet bleiben. Einheitliche Standards dürfen nicht zulasten rechtsstaatlicher Grundsätze gehen. Eine Zentralisierung der Verfahren lehnen wir weiterhin kategorisch ab, da hier eine Einzelfallprüfung nur unzureichend stattfinden kann. Auch die Einrichtung einer Zentralen Aufsichts- und Überprüfungsstelle Stadionverbote (ZAÜS) sehen wir kritisch, da diese dem präventiven Charakter dieser Sanktion zuwiderlaufen würde.
Positiv bewerten wir die Möglichkeit einer weiteren Stärkung von Fanprojekten, Präventionsarbeit und Stadionallianzen. Wer Gewalt wirksam reduzieren will, muss in Prävention investieren. Fanprojekte leisten seit Jahrzehnten einen unverzichtbaren Beitrag zur Konfliktvermeidung, zur Vermittlung und zur Förderung einer friedlichen Fankultur. Diese Arbeit verdient politische Unterstützung und eine langfristige Absicherung.
Die Zukunft des deutschen Fußballs entscheidet sich nicht durch immer neue Kontrollinstrumente, sondern durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten. Eine weitreichende Befassung mit diesem Thema ist aus unserer Sicht unabdingbar und wir stehen weiterhin zu einem fortlaufenden Austausch zur Verfügung.
Fankultur ist kein Sicherheitsproblem. Fankultur ist ein Teil der Lösung.
Unsere Kurve, Juni 2026
