Ich sehe was, was du nicht siehst

Die unbeachteten Fähigkeiten der Fankultur

Unbeschreibliche Stimmung im Stadion, beeindruckende Choreografien und Stehplatztribünen, um die uns ganz Europa beneidet: All das sehen wir Woche für Woche in unseren Fußballstadien. Diese Fankultur trägt die Begeisterung für den Fußball weit über die Stadien hinaus.

Glaubt man jedoch den Innenministerinnen und Innenministern der Länder und sieht man die sensationsheischenden und einseitigen Bilder in den Medien, gibt es in den Stadien aber mehr Probleme als alles andere. Ein grobes Bild ohne Schärfe. Die Politik verallgemeinert, weil die Expertise fehlt.

Fankultur ist aber sehr viel mehr als Fahnen und Pyrotechnik. Fankultur in Deutschland heißt vor allem Dialog. Fast alles, was in den Stadien entsteht, ist das Ergebnis von miteinander sprechen, Kompromissen und Vereinbarungen. Woche für Woche, regional, national und international.

Der Fußball in Deutschland hat zusammen mit hauptamtlicher Fanarbeit, Netzwerken von Ehrenamtlichen und aktiven Fans wichtige Dialogformate definiert. Vom lokalen Club-Fan-Dialog bis hin zur Kommission Fans und Fankulturen beim DFB werden Probleme auf den Tisch gebracht und Lösungen gemeinsam entwickelt. Das setzt sich fort in den Stadionallianzen, die maßgeblich zur Senkung von Polizeikosten beitragen.

Jost Peter, 1. Vorsitzender von Unsere Kurve e. V.: „Der Fußball hat in den letzten Jahren eine vielschichtige Kultur des Dialogs etabliert. Vereine und Fans, Verbände und die Polizei vor Ort, Fanprojekte und soziale Initiativen rund um den Fußball sprechen miteinander und machen diese einmalige Fankultur möglich.“

Thomas Kessen, Pressesprecher Unsere Kurve e. V.: „Im Gegensatz zur Politik sind die Beteiligten im Fußball in der Lage, tragfähige Lösungen zu schaffen. Hier wird mit Sachkenntnis mitten im Fußball gearbeitet, nicht mit Populismus von außen.“