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Kein Alibi-Kongress

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Kein Alibi-Kongress

VON KARSTEN KELLERMANN

Borussias Fan-Szene ist mit zehn Teilnehmern beim ersten bundesweiten Treffen der Fußballfans in Leipzig vertreten. „Es muss konkrete Ergebnisse geben“, hofft Thomas Weinmann, Fan-Beauftragter der Borussia.

Der 16-Jährige Borussen-Fan verlor die Beherrschung. Sekunden vor Schluss hatte seine Mannschaft in der Leverkusener BayArena das entscheidende 0:1 kassiert und verloren. Aus Wut trat er eine Sitzschale aus der Verankerung. Das Vergehen wurde von den Videokameras der Polizei eingefangen. Der Jugendliche wurde aufgegriffen. Die Konsequenz: zwei Jahre bundesweites Stadionverbot.

Thomas Weinmann schüttelt den Kopf. Nicht, dass Borussias Fan-Beauftragter das Vergehen des Jugendlichen herunterspielen will. „Nein, so etwas darf nicht sein. Aber bei der Strafe fehlt mir die Verhältnismäßigkeit“, sagt Weinmann, 45. Möglich, dass die Tat in einem anderen Stadion der Liga anders oder gar nicht geahndet worden wäre. „Es muss einheitliche Richtlinien geben“, fordert Weinmann. Ein Thema, dass er beim ersten bundesweiten Fan-Kongress am Samstag und Sonntag in Leipzig (Motto: „Fußball ist unser Leben – eine Annäherung“) ansprechen wird.

Rund 300 Vertreter der verschiedenen Fan-Gruppen aller Vereine der Bundesliga, der Zweiten Liga sowie der Regional- und Oberliga treffen sich in der sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. Auch der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, der kommissarische Chef der Deutschen Fußball-Liga und Vertreter aus Sportverbänden, Politik und Wirtschaft kommen nach Leipzig. „Die Arbeit der Fan-Projekte ist vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Verantwortung des Fußballs sehr wichtig. Wir wollen sie weiter unterstützen. Dabei hilft der Dialog mit den Fans“, sagt Zwanziger.

Weinmann ist einer von zehn Gladbach-Fans in Leipzig. „Das Wichtigste ist, dass der Kongress stattfindet“ sagt Weinmann. „Das zeigt, dass DFB und DFL die Bedeutung der Fans erkannt haben.“

Dass der Kongress in Leipzig ist, ist durchaus bezeichnend. Dort, wo der DFB am 28. Januar 1900 gegründet wurde, gab es im Februar nach einem Spiel zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und Erzgebirge Aue II die schlimmsten Krawalle der jüngeren deutschen Fußballgeschichte. 800 Randalierer gingen auf Polizisten los, es fielen Schüsse, 42 Menschen wurden verletzt. Nun soll es in Leipzig friedliche Diskussionen geben.

Bunt, vielfältig, friedlich

Ein solche wäre für Weinmann eher ein Spiegelbild für den Zustand der Fan-Kultur in Deutschland. „Bunt, vielfältig und friedlich“ sei diese, findet er. Gewaltbereite Fans gebe es in jedem Stadion dennoch. „Aber es wäre falsch, sie auszugrenzen, denn sie fallen da nicht auf“, sagt Weinmann. Der Umgang mit diesen „Randgruppen“ ist auch ein Thema des Kongresses. „Es wäre schön, wenn wir durchgängige Regelungen der Fan-Betreuung erarbeiten könnten“, sagt der Borusse, der am Samstag selbst eine von fünf Arbeitsgruppen moderieren wird. Thema: Fan-Betreuung. Sonntag werden dann alle Gesprächskreise ihre Ideen vorstellen. „Es darf aber kein Alibi-Kongress sein, sondern es muss konkrete Ergebnisse geben, hofft Weinmann.

Quelle: Rheinische Post

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